Franz Schubert (1797-1828) Deutsche Messe ====================== 1. Zum Eingang Wohin soll ich mich wenden, wenn Gram und Schmerz mich drücken? Wem künd' ich mein Entzücken, wenn freudig pocht mein Herz? Zu dir, zu dir, o Vater komm ich in Freud und Leiden, du sendest ja die Freuden, du heilest jeden Schmerz. Ach, wenn ich dich nicht hätte, was wär 'mir Erd' und Himmel? Ein Bannort jede Stätte, ich selbst in Zufalls Hand. Du bist's, der meinen Wegen ein sich'res Ziel verleihet, und Erd' und Himmel weihet zu süßem Heimatland. Doch darf ich dir mich nahen, mit mancher Schuld beladen? Wer auf der Erde Pfaden ist deinem Auge rein? Mit kindlichem Vertrauen eil' ich in deine Arme, fleh' reuerfüllt: Erbarme, erbarm', o Herr, dich mein! Süß ist dein Wort erschollen: Zu mir, ihr Kummervollen! Zu mir! Ich will euch laben, euch nehmen Angst und Not. Heil mir! Ich bin erquicket! Heil mir! Ich darf entzücket mit Dank und Preis und Jubel mich freu'n in meinem Gott. ====================== 2. Zum Gloria Ehre, Ehre sei Gott in der Höhe! Singet der Himmlischen selige Schar. Ehre, Ehre sei Gott in der Höhe! Stammeln auch wir, die die Erde gebar. Staunen nur kann ich und staunend mich freu'n; Vater der Welten, doch stimm' ich mit ein: Ehre sei Gott in der Höhe! Ehre, Ehre sei Gott in der Höhe! Kündet der Sterne strahlendes Heer. Ehre, Ehre sei Gott in der Höhe! Säuseln die Lüfte, brauset das Meer. Feiernder Wesen unendlicher Chor jubelt im ewigen Danklied empor: Ehre sei Gott in der Höhe! ====================== 3. Zum Evangelium und Credo Noch lag die Schöpfung formlos da, nach heiligem Bericht; Da sprach der Herr: Es werde Licht! Er sprach's und es ward Licht. Und Leben regt und reget sich, und Ordnung tritt hervor. Und überall, allüberall ||: tönt Preis und Dank empor. :|| Der Mensch auch lag in Geistesnacht, erstarrt von dunklem Wahn; Der Heiland kam, und es ward Licht! Und heller Tag bricht an. Und seiner Lehre heil'ger Strahl weckt Leben nah und fern; Und alle Herzen pochen Dank, ||: und preisen Gott, den Herrn. :|| Doch warnend spricht der heil'ge Mund: Nicht frommt der Glaub' allein, nur die Erfüllung eurer Pflicht kann Leben ihm verleih'n. Drum gib ein gläubiges Gemüt! Und gib' uns auch, o Gott, ein liebend Herz, das fromm und treu ||: stets folget dem Gebot. :|| Verleih' uns Kraft und Mut, daß wir nicht nur die Wege seh'n, die der Erlöser ging, daß wir auch streben nach zu geh'n. Laß so dein Evangelium uns Himmelsbotschaft sein, und führ' uns, Herr, durch deine Huld ||: in's Reich der Wonnen ein. :|| ====================== 4. Zum Offertorium Du gabst, o Herr, mir Sein und Leben, und Deiner Lehre himmlisch Licht. Was kann dafür ich Staub Dir geben? ||: Nur danken kann ich, mehr doch nicht. :|| Wohl mir! Du willst für Deine Liebe ja nichts, als wieder Lieb' allein: und Liebe, dankerfüllte Liebe ||: soll meines Lebens Wonne sein. :|| Mich selbst, o Herr, mein Tun und Denken und Leid und Freude opfr' ich dir; Herr, nimm durch deines Sohnes Opfer ||: dies Herzensopfer auch von mir. :|| ====================== 5. Zum Sanctus Heilig, heilig, heilig, heilig ist der Herr! Heilig, heilig, heilig, heilig ist nur er! Er, der nie begonnen, er, der immer war, ewig ist und waltet, sein wird immerdar. Heilig, heilig, heilig, heilig ist der Herr! Heilig, heilig, heilig, heilig ist nur er! Allmacht, Wunder, Liebe, alles rings umher! Heilig, heilig, heilig, heilig ist der Herr! ====================== 6. Nach der Wandlung Betrachtend Deine Huld und Güte, o mein Erlöser, gegen mich, seh' ich beim letzten Abendmahle im Kreise Deiner Teuren Dich. Du brichst das Brot, Du reichst den Becher. Du sprichst: Dies ist mein Leib, mein Blut, nehmt hin und denket meiner Liebe, ||: wenn opfernd ihr ein Gleiches tut. :|| Wir opfern hier, nach Deinem Worte, auf Deinem heiligen Altar; und Du, mein Heiland, bist zugegen, des Geistes Aug' wird Dich gewahr. Herr, der du Schmerz und Tod getragen, um uns das Leben zu verleih'n, laß dieses Himmelsbrot uns Labung ||: im Leben und im Tode sein! :|| ====================== 7. Zum Agnus Dei Mein Heiland, Herr und Meister! Dein Mund so segensreich, sprach einst das Wort des Heiles: "Der Friede sei mit Euch!" O Lamm, das opfernd tilgte der Menschheit schwere Schuld, send' uns auch Deinen Frieden durch Deine Gnad' und Huld. In dieses Friedens Palmen erstirbt der Erdenschmerz, sie wehen Heil und Labung ins sturmbewegte Herz; und auch die Erdenfreude, durch ihn geheiligt, blüht entzückender und reiner dem seligen Gemüt. Herr, uns're Lieben alle, die nun bereits von hier ins Land des Friedens gingen, nimm sie, nimm sie zu Dir! Laß einst sie dort uns finden! O seliger Verein, Wenn wir des Himmelsfriedens zusammen uns er freu'n! Mein Heiland, Herr und Meister, o sprich erbarmungsreich zu uns das Wort des Heiles: "Der Friede sei mit Euch!" Send' uns den Himmelsfrieden, den nie die Erde gibt, der nur dem Herzen winket, das rein und treu Dich liebt! ====================== 8. Schlussgesang Herr, du hast mein Fleh'n vernommen, selig pocht's in meiner Brust, in die Welt hin aus, ins Leben folgt mir nun des Himmels Lust. Dort auch bist ja Du mir nahe, überall und jederzeit, allerorten ist Dein Tempel, wo das Herz sich fromm Dir weiht. Segne, Herr, mich und die Meinen, segne unsern Lebensgang! Alles unser Tun und Wirken ||: sei ein frommer Lobgesang. :|| ====================== 9. Anhang: Das Gebet des Herrn Anbetend Deine Macht und Größe versinkt in Nichts mein bebend Ich. Mit welchem Namen, Deiner würdig, Du Unnennbarer, preis ich Dich? Wohl mir! Ich darf Dich Vater nennen, nach Deines Sohnes Unterricht; so sprech' ich denn zu Dir, mein Schöpfer mit kindlich froher Zuversicht. O Vater, der Du bist im Himmel und überall zu jeder Zeit, zu preisen Deinen Vaternamen sei jedem Herzen Seligkeit! O laß durch Deine Huld und Liebe erscheinen uns Dein Gnadenreich, und treues Tun nach Deinem Willen mach' auch die Erde himmelgleich! Herr, der Du nährst die jungen Raben, Du kennst auch Deiner Kinder Not. Nicht ist vergebens unser Flehen: Gib uns auch täglich unser Brot! Vergib uns, was wir irrend fehlten, wenn wir die Schuld vor Dir bereu'n, wie wir, auf Dein Gebot den Brüdern, wie wir den Feinden auch verzeih'n. Will die Versuchung uns verlocken, gib Kraft, o Herr, zum Widerstand! So vor der Seele höchstem Übel, vor Sünde schütz uns Deine Hand! Send' uns Geduld und Trost in Leiden! Und kann's zu unser'm Heil gescheh'n, so laß durch Deine Vatergüte den bittern Kelch vorübergeh'n! ====================== lyrics link: http://www2.cpdl.org/wiki/index.php/Deutsche_Messe,_D872_%28Franz_Schubert%29